Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Persönlichkeiten > Vorbilder > Richard W. Higgins 

Captain Richard W. Higgins

Am Freitag, den 5. April 1957 stürzte gegen 10:50 Uhr bei sonnigem Frühlingswetter ein einsitziges deutsches Kampfflugzeug vom Typ Republic F-84 „Thunderstreak“ ab. Der Flugzeugführer, U.S. Captain Richard W. Higgins (34 Jahre) kam dabei ums Leben.

ausgestellte F-84

Ausgestellte F-84 "Thunderstreak" (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Kurz nach dem Start in Fürstenfeldbruck Richtung Osten bekam er Probleme mit dem Triebwerk und wollte mit einer Rechtskurve auf die Landebahn zurückkehren. Augenzeugen sahen die Ma-schine über der Klosterkirche in rund 300 m Höhe fliegen, eine dunkle Rauchfahne hinter sich herziehend. Das Luftfahrzeug ging nun in einen Sinkflug Richtung Westen über. Obwohl der Pilot bereits den Befehl zum „Aussteigen“ bekommen hatte, verzögerte er den Ausschuss mit dem Schleudersitz, bis er unbewohntes Gebiet erreicht hatte. Am westlichen Stadtrand von Fürstenfeldbruck versuchte er sich in rund 80 m Höhe zu retten, zum vollständigen Öffnen seines Fallschirmes war es jedoch zu spät. Offensichtlich wollte er den Absturz seines Kampfflugzeuges über den Häusern vermeiden. Indem er sein Leben opferte, rettete er vielen Menschen das Leben.

Higgins als Leutnant der US-Air Force

Higgins als Leutnant der US-Air Force (Quelle: Luftwaffe/Privat )

Richard W. Higgins trat seinen letzten Flug in Vertretung eines anderen Piloten an, der wegen eines wichtigen Termins verhindert war. Das Flugzeug, das er hierfür übernahm, gehörte zur Waffenschule der Luftwaffe 30 und trug das Kennzeichen BA-102. Dieses Luftfahrzeug war am 13. November 1956 von der amerikanischen Luftwaffe übernommen worden und erreichte 103 Flugstunden. Der Start in Richtung Osten erfolgte zunächst ohne Probleme. Nach dem Abheben bei Erreichen des Pistenendes stellten sich jedoch erste Probleme mit dem Triebwerk ein; es folgte eine Rechtskurve, um schnellstmöglich wieder auf Piste 10 zu landen. Augenzeugen berichteten von Kraftstoffdunst, Rauch und Flammen, die nun aus dem Abgasrohr traten. Die Flugzeit vom Start bis zum Aufschlag in Rothschwaige betrug 2:18 Minuten. Die Ursache des Flugunfalls lag in einem Materialfehler im Triebwerk begründet; eine oder mehrere Leitschaufeln der 4. Verdichterstufe brachen infolge Materialermüdung. Higgins’ Absturz war der erste Flugunfall einer F-84F der Deutschen Luftwaffe.

Die Stadt Fürstenfeldbruck hat auf Initiative des damaligen ersten Bürgermeisters Dr. Bauer die Tat mit der Benennung einer Straße nach Captain Richard W. Higgins gewürdigt. Die „Richard-Higgins-Straße“ liegt rund einen Kilometer von der Absturzstelle entfernt. Die Witwe Elisabeth Higgins und drei Kinder zogen wieder zurück nach Framingham (Massachusetts) in die USA, wo auch Captain Higgins beigesetzt wurde.

Elisabeth Higgins und Oberst Klaus Knepper bei der Enthüllung der "Captain Higgins Gebäude"-Plakette

Die Wittwe Elisabeth Higgins im Jahr 2000 zu Besuch in Fürstenfeldbruck (Quelle: Luftwaffe/Bildstelle Fürstenfeldbruck)Größere Abbildung anzeigen

Mit der Namensgebung des Gebäudes 227 im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck in „Captain Higgins Gebäude“ am 5. April 2000 wird an die Opfertat des US Piloten erinnert und gleichzeitig ein Symbol für die deutsch-amerikanische Freundschaft gesetzt. Das Gebäude wurde Anfang der 1950er Jahre durch die US Streitkräfte errichtet und diente den Amerikanern als Kindergarten und Schule. Nach Übergabe des Fliegerhorstes an die Bundeswehr Ende 1957 nutzte die Flugzeugführerschule „B“ das Gebäude 227 für die fliegertheoretische Ausbildung. Mit Außerdienststellung der Fluglehrgruppe Fürstenfeldbruck im Sommer 1997 wurde die fliegerische Ausbildung am Standort nach 40 Jahren eingestellt. Jetzt wird das Gebäude von der Offizierschule der Luftwaffe für Ausbildungszwecke genutzt.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 26.11.13 | Autor: Dr. Heiner Möllers


http://www.geschichte.luftwaffe.de/portal/poc/geschlw?uri=ci%3Abw.lw_geschlw.person.vorb.higg