Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Tradition > Persönlichkeiten > Die Inspekteure der Luftwaffe > 1957 - 1962 Josef Kammhuber 

General Josef Kammhuber

Inspekteur der Luftwaffe von 1957 bis 1962

General Josef Kammhuber
General Josef Kammhuber (Quelle: Luftwaffe/Multimedia)Größere Abbildung anzeigen

Josef Kammhuber wurde am 19. August 1896 geboren. Er trat als Kriegsfreiwilliger im August 1914 in die bayerische Armee ein. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in die Reichswehr übernommen und wechselte 1935 in die neu aufgestellte Luftwaffe. Unter anderem war er Geschwaderkommodore. Einen besonderen Ruf erwarb er sich mit dem Aufbau eines Radarführungssystems und in Verbindung damit als Organisator der Nachtjagd. Nach der Kriegsgefangenschaft arbeitete er als Weinhändler, bevor er 1952 Mitarbeiter der US Army Historical Division wurde. Dort verfasste er im Auftrag der US Air Force Studien zur Geschichte der Wehrmacht. Ziel war es unter anderem, Erkenntnisse für künftige Einsätze von Streitkräften zu gewinnen.

General Josef Kammhuber
General Josef Kammhuber (Quelle: Luftwaffe/Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Im Alter von fast 60 Jahren wurde er von Verteidigungsminister Theodor Blank am 6. Juni 1956 mit der Leitung der Abteilung VI Luftwaffe im Bundesministerium für Verteidigung beauftragt. Am 1. Juni 1957 wurde die Abteilung VI in den Führungsstab der Luftwaffe umgewandelt: Damit war Generalleutnant Kammhuber de facto erster Inspekteur der Luftwaffe. Diesen Dienstposten bekleidete er bis zum Ausscheiden aus dem aktiven Dienst am 30. September 1962. An Auszeichnungen ist insbesondere das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu nennen. Seine Amtszeit war ausgefüllt mit der an die US Air Force angelehnten Aufstellung der Luftwaffe mit den Aufgabenschwerpunkten „Luftverteidigung“ und „Luftangriff“ einschließlich der Unterstützung von Landkriegsoperationen und der Beteiligung an der Abschreckung mit Atomwaffen. Für diese Beteiligung sollte die Luftwaffe „Trägermittel“ bereithalten; die Verfügungsgewalt über die atomaren Gefechtsköpfe verblieb aber bei den Vereinigten Staaten von Amerika, da Deutschland völkerrechtlich auf die Herstellung von ABC-Waffen verzichtet hatte.

Nachdem die Erstausstattung der neuen Luftwaffe etwa dem amerikanischen Entwicklungsstand zur Zeit des Korea-Krieges entsprach, setzte sich General Kammhuber für die Einführung des F-104G STARFIGHTER als modernes Mehrzweckflugzeug ein. Es wurde als Jagdflugzeug, Aufklärer und Jagdbomber sowie als Marine-Kampfflugzeug konfiguriert. Dieses anspruchsvolle Waffensystem war Kern des Programms zur Leistungssteigerung der Luftwaffe, mit dem entsprechend der politischen Absicht die Rolle der Bundeswehr im Bündnis gestärkt werden konnte. Der als Organisator geschätzte und durchsetzungsfähige Kammhuber wurde als einziger Inspekteur einer Teilstreitkraft der Bundeswehr am 9. Mai 1961 zum General („Vier-Sterne-General“) befördert.

General a.D. Josef Kammhuber starb am 25. Januar 1986.

nach oben


Stichwort "Massive Vergeltung"

Andauernde nukleare Aufrüstung der Sowjetunion und kritische Überlegenheit des Warschauer Paktes bei den konventionellen Streitkräften führten zu der vom Bündnis, einschließlich der europäischen Atommächte Frankreich und Großbritannien, gebilligten Strategie der Massiven Vergeltung (Massive Retaliation). Ein Angriff auf die NATO sollte unter allen Umständen abgewehrt werden können, letztlich gestützt auf die Fähigkeit zum umfassenden nuklearen Einsatz. Von dieser Verteidigungsfähigkeit versprach man sich eine so starke Abschreckung, dass der Warschauer Pakt keine Aggressionen wagen würde. Die Überwindung der Kuba-Krise im Oktober 1962 zeigte, dass die Abschreckung funktionierte.

Die Bundeswehr konnte in der NATO, in Europa und im transatlantischen Verhältnis das nötige politische Gewicht nur mit einem eigenen Beitrag zu den atomaren Fähigkeiten erlangen. Insbesondere war nur so Mitsprache in der atomaren Einsatzplanung zu erreichen - ein zwingendes Erfordernis, denn Deutschland wäre im Verteidigungsfall zum Schlachtfeld geworden. Die Androhung massiver Vergeltung in Verbindung mit glaubwürdigen Verteidigungsvorbereitungen stellte die Abschreckung schon im Frieden sicher. Deutschland stand unter dem atomaren Schutzschirm, den vor allem die Vereinigten Staaten boten.

Die Beschaffung des F-104G STARFIGHTER als nukleares „Trägermittel“ war folgerichtig, da hierfür nur ein amerikanisches Waffensystem in Frage kam. Es bot zwar nicht die von deutscher Seite politisch gewünschte Reichweite, ermöglichte jedoch Operationen gegen große Teile des offensiven Potenzials im Warschauer Pakt. Dies trifft ebenso auf die Einführung von nuklearen Boden-Boden-Flugkörpern in dieser Zeit zu. Damit machte Deutschland deutlich, dass ein Krieg nicht nur auf dem vom Angreifer gewählten Gefechtsfeld ausgetragen, sondern unmittelbar auf dessen Gebiet ausgedehnt werden sollte; der Angreifer sollte das größte Risiko tragen.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 08.06.18


http://www.geschichte.luftwaffe.de/portal/poc/geschlw?uri=ci%3Abw.lw_geschlw.trad.pers.insp.kamm