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Generalleutnant Bernhard Mende

Inspekteur der Luftwaffe von 1994 bis 1997

Generalleutnant Bernhard Mende
Generalleutnant Bernhard Mende (Quelle: Luftwaffe/Multimedia)Größere Abbildung anzeigen

Bernhard Mende, der erste Inspekteur der Luftwaffe, der nicht Luftfahrzeugführer war, wurde am 2. August 1937 geboren. Er trat 1958 in die Luftwaffe ein und absolvierte nach Ausbildung und Einsatz als Offizier der Flugabwehrraketentruppe zwischen 1968 und 1970 die Generalstabsausbildung. Unter den anschließenden Verwendungen ragten die Führung des Flugabwehrraketenbataillons 21 in Möhnesee, die Zeit als Bearbeiter aller Angelegenheiten der integrierten NATO-Luftverteidigung des Internationalen Militärstabes im NATO-Hauptquartier in Brüssel sowie die Aufgaben als Stabsabteilungsleiter Planung im Führungsstab der Luftwaffe heraus.

Generalleutnant Bernhard Mende
Generalleutnant Bernhard Mende (Quelle: Luftwaffe/Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Den Fall der Mauer am 9. November 1989 erlebte er als Kommandeur der 2. Luftwaffendivision. Knapp ein Jahr später stellte er in Strausberg-Eggersdorf bei Berlin am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 1990, die neue 5. Luftwaffendivision in Dienst und führte sie ein Jahr. Im Oktober 1991 wurde er Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe, am 1. Oktober 1994 Inspekteur der Luftwaffe.

Mit Generalleutnant Mende schied am 30. September 1997 ein Inspekteur aus seinem Amt, der in seiner Person für viele Luftwaffenangehörige die Vereinigung Deutschlands repräsentierte. In dieser einzigartigen „Gunst der Stunde“ konnte er mit persönlichem Engagement und Vorbild nicht nur die Soldaten der ehemaligen NVA in die Luftwaffe integrieren, sondern auch die Angehörigen der „alten“ Luftwaffe als „Team Luftwaffe“ motivieren und auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten. Für seine Verdienste wurde Generalleutnant Mende mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Generalleutnant a.D. Bernhard Mende starb am 7. Oktober 2004.

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Stichwort „Armee der Einheit“

Die Wiedervereinigung hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Luftwaffe und dabei auf die Werdegänge ihrer Offiziere und Unteroffiziere – nicht nur für die Angehörigen der NVA, sondern auch für die Soldaten der „alten“ Bundesrepublik: Ihr Berufsethos war nicht zuletzt bestimmt durch die nun nicht mehr akute Konfrontation mit den sozialistischen Staaten im Osten und durch die deutsche Spaltung.

Die historische Aufgabe, die NVA zu „übernehmen“ und das Beitrittsgebiet in den eigenen Verteidigungsauftrag einzubeziehen, erzeugte einen Motivationsschub; der Abbau der militärischen Konfrontation führte aber zu Fragen nach künftigen Sicherheitsrisiken und militärischen Erfordernissen – bestärkt durch oft unrealistische Wünsche in Politik und Öffentlichkeit nach einer „Friedensdividende“. Parallel dazu kam es zu den krisenhaften Entwicklungen in Europa, mit denen neue Risiken und eventuelle deutsche Beiträge zu ihrer Bewältigung ins Blickfeld rückten.

So hatte die politisch-militärische Übergangskonzeption „Armee der Einheit“ (1990) drei Dimensionen: Eine für die Truppenführung entscheidende psychologische, eine organisatorische und eine – auf zunächst noch unsicherem politischen Boden – langfristig planerische. All dies hat die Amtszeiten der Inspekteure seit 1989 ausgefüllt und ihre Lebensläufe mitgeprägt, wie am Beispiel von Generalleutnant Mende besonders deutlich wird. Zunächst war es die Herausforderung, den NVA-Soldaten vertrauensvoll zu begegnen, keine „Siegermentalität“ aufkommen zu lassen und dem Empfinden der Betroffenen als „Verlierer der Einheit“ mit Fairness zu begegnen. Dies hat die Luftwaffe bewältigt, die Innere Führung hat sich bewährt.

Die organisatorischen Aufgaben waren vielfältig, die Verantwortung für enorme Mengen von Material ragte dabei heraus: Unter anderem galt es, rund 700 Kampf-, Transport- und Schulflugzeuge sowie mehrere Hundert Flugabwehrraketen im Sinne der KSZE-Verpflichtungen zu vernichten. Dazu kamen umfangreiche Versorgungsgüter und nicht mehr nötige Infrastruktur. Letztlich blieb nur eine Staffel mit Jagdflugzeugen MiG-29 FULCRUM für längere Zeit, bis 2004, im Dienst der Luftwaffe, und ein geringer Teil sonstiger NVA-Ausrüstung wurde weiter genutzt.

Die langfristige Neuausrichtung der Bundeswehr hatte in der Amtszeit Mendes längst begonnen. Sie erwies sich schließlich als Einstieg in einen andauernden Transformationsprozess, in dem die Luftwaffenstruktur 4 notwendigerweise nur ein vorübergehendes Stadium bilden konnte.

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Stand vom: 08.06.18


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