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Generalleutnant Werner Panitzki

Inspekteur der Luftwaffe von 1962 bis 1966

Generalleutnant Werner Panitzki
Generalleutnant Werner Panitzki (Quelle: Luftwaffe/Multimedia)Größere Abbildung anzeigen

Werner Panitzki wurde am 27. Januar 1911 geboren. Er trat 1930 in die preußische Landespolizei ein und wechselte 1935 zur neu aufgestellten Luftwaffe. Im Zweiten Weltkrieg war er bis 1941 als Flugzeugführer in einem Kampfgeschwader eingesetzt. Nach Verlust der fliegerischen Verwendungsfähigkeit folgten die Generalstabsausbildung und anschließend der Dienst in höheren Stäben.

Generalleutnant Werner Panitzki
Generalleutnant Werner Panitzki (Quelle: Luftwaffe/Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Nach der Kriegsgefangenschaft, die bis 1947 dauerte, übte er eine kaufmännische Tätigkeit in seiner Heimatstadt Kiel aus. 1948 trat er in die „Organisation Gehlen“, den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, ein. Ab 1952 leitete er bis 1956 im Amt Blank die Abteilung VI Luftwaffe. Er zählte zu den ersten Offizieren, die 1955 in die Bundeswehr eintraten. Es folgten Verwendungen als Chef des Stabes im Führungsstab der Bundeswehr, als Divisionskommandeur, als Kommandeur des Kommandos der Schulen der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck und als Kommandierender General der Luftwaffengruppe Nord in Münster. Am 1. Oktober 1962 wurde er zweiter Inspekteur der Luftwaffe.

In seine Amtszeit fiel die sogenannte „STARFIGHTER-Krise“: Eine steigende Zahl von Flugunfällen und Opfern, deren Ursache letztlich darin lag, dass Politik, Streitkräfte und ziviler Rüstungsbereich die Anforderungen für Einführung und Betrieb eines anspruchsvollen Systems wie des F-104G STARFIGHTER unterschätzt hatten. Zur nur schrittweise möglichen Beseitigung von Defiziten konnte schließlich ein abgestimmtes Vorgehen der für Finanzierung, Technik, Logistik, Organisation, Ausbildung sowie Einsatz verantwortlichen Stellen erreicht werden. Dies führte allerdings erst in den späten 1960er Jahren, nach Ende der Amtszeit von General Panitzki, zum Erfolg. Nach seiner Bewertung nicht mit den erforderlichen umfassenden Befugnissen ausgestattet und vom aus seiner Sicht unzureichenden politischen Rückhalt enttäuscht, bot er am 12. August 1966 seinen Rücktritt an. Der Minister, Kai-Uwe von Hassel, lehnte die Entlassung ab, warf ihm aber gleichwohl vor, nicht genügend getan zu haben. Als General Panitzki in diesem Zusammenhang die Leitung des BMVg öffentlich kritisierte, ließ ihn der Minister am 25. August 1966 in den Einstweiligen Ruhestand versetzen.

General Panitzki zählt zweifelsohne zu den maßgeblichen Wegbereitern und Gestaltern der Luftwaffe. Ihr Aufbau und die zunehmende Integration der Verbände in die NATO trugen bis Ende der 1960er Jahre seine Handschrift. In seine Amtszeit fällt auch die bemerkenswerte umfangreiche Erprobung von senkrecht startenden Kampf- und Transportflugzeugen, die aufgrund ihrer geringen Ansprüche an die Infrastruktur große Flexibilität und hohe Überlebensfähigkeit im Einsatz versprachen. Dem standen gravierende Nachteile, besonders bei der Zuladefähigkeit und Reichweite, gegenüber, so dass sich die Kosten solcher Entwicklungen nicht rechneten. In dieser Zeit wurde aber auch die Beschaffung des in deutsch-französischer Kooperation gefertigten Kampfzonentransporters Transall C-160 durchgesetzt, der sich bis heute in schwierigen Einsätzen bewährt.

Für seine Verdienste wurde Generalleutnant Panitzki mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband ausgezeichnet. Generalleutnant a.D. Werner Panitzki starb am 2. Juni 2000.

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Stichwort „Raketen“

General Panitzki wollte keine vorwiegend auf Raketen gestützte Luftwaffe. Er sah jedoch klar, welche Mittel zur Abdeckung des zugewiesenen Aufgabenspektrums und für die Erhaltung der eigenen Operationsfreiheit notwendig waren. Den militärstrategischen Vorgaben entsprechend setzte er sich für die Einführung des Flugkörpersystems MATADOR und zu dessen Ablösung für das Raketensystem PERSHING I ein. Beide Trägermittel für den nuklearen Boden-Boden-Einsatz gaben der Luftwaffe mehr Gewicht in der NATO-Abschreckungsstrategie. Dies galt aufgrund Reichweite, Eindringfähigkeit, Zielgenauigkeit und Eignung für den beweglichen Einsatz besonders für die PERSHING I beziehungsweise PERSHING I a – ein in hohem Maße durchsetzungs- und überlebensfähiges System.

In der Luftverteidigung war auf das Anwachsen und die laufende Modernisierung des Luftkriegspotenzials im Warschauer Pakt zu reagieren: Die Flugabwehrtruppe der Luftwaffe wurde verstärkt und auf die Raketensysteme NIKE Ajax und später NIKE Hercules - diese waren zunächst auch nuklear bestückt - sowie auf HAWK umgerüstet. Mit NIKE wurde ein Flugabwehrgürtel etwa auf der Linie Weser-Lech installiert, weiter östlich wurden HAWK-Verbände stationiert. Beide machten fast die Hälfte der NATO-Flugabwehrraketentruppen in Mitteleuropa aus, während der Anteil der Jagdflugzeuge kleiner war.

Die HAWK-Verbände konnten das eigene Gefechtsfeld schützen und eigneten sich daher besonders für die Vorneverteidigung - eine für Deutschland entscheidende Komponente der ab 1968 eingeführten NATO-Strategie der Flexiblen Antwort (Flexible Response).

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Stand vom: 08.06.18


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