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Generalleutnant Günther Rall

Inspekteur der Luftwaffe von 1971 bis 1974

Generalleutnant Günther Rall
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Günther Rall wurde am 10. März 1918 geboren und trat 1936 in die Wehrmacht ein. Nach der Offizierausbildung im Heer wechselte er 1938 zur Luftwaffe. Der Flugzeugführerausbildung folgten im Zweiten Weltkrieg Verwendungen als Jagdflieger und Führungsverwendungen wie Staffelkapitän und zuletzt Kommodore eines Jagdgeschwaders. Er wurde mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern ausgezeichnet. Später arbeitete er in der Internatsschule Salem am Bodensee, bevor er 1956 in die Bundeswehr eintrat.

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Er gehörte zu den Ersten, die in den USA auf Kampfflugzeugen ausgebildet wurden. Es folgten Verwendungen als Truppenführer sowie Tätigkeiten in Stäben. Wie kaum ein anderer war er dabei mit der Einführung des F-104G STARFIGHTER befasst. Er erprobte das Flugzeug selbst, gehörte zu den ersten darauf ausgebildeten deutschen Piloten und war zwischen 1958 und 1964 Leiter Vorauspersonal beim Inspizienten der Jagdflieger und anschließend als Leiter des Arbeitsstabes F-104 mit der Einführung des Flugzeuges, der Umrüstung der Verbände sowie der Ausbildung der Piloten beauftragt.

Nach dem Generalstabslehrgang am NATO Defense College in Paris folgten weitere Verwendungen als Kommodore des Jagdbombergeschwaders 34 in Memmingen zwischen 1964 und 1966, kurzzeitig als Inspizient der „Fliegenden Verbände der Luftwaffe“ im Luftwaffenamt und von 1967 bis 1969 als Kommandeur erst der 3. Luftwaffendivision in Kalkar und dann der 1. Luftwaffendivision in Fürstenfeldbruck/ Meßstetten. Nach einer Tätigkeit als Chief of Staff der 4. Allied Tactical Air Force der NATO folgte von Oktober bis Dezember 1970 eine sehr kurze Verwendung als erster Kommandierender General des neu aufgestellten Luftflottenkommandos. Am 19. Dezember 1970 wurde Generalleutnant Rall zum Inspekteur der Luftwaffe ernannt. Zum Schluss seiner Dienstzeit war er von April 1974 bis Dezember 1975 Deutscher Militärischer Bevollmächtigter im NATO-Militärausschuss.

In der Folge der um eine private Reise nach Südafrika entstandenen politischen Diskussionen beantragte er seine Versetzung in den Ruhestand. Verteidigungsminister Georg Leber und Bundespräsident Walter Scheel entsprachen diesem Antrag. So wie die Einführung des STARFIGHTER in die Luftwaffe mit dem Namen Rall verbunden ist, steht seine Inspekteurszeit auch unter dem Zeichen der teilweisen Ablösung des STARFIGHTER durch die F-4 PHANTOM und der damit verbundenen Stärkung der konventionellen Anteile der Luftwaffe.

Für seine Verdienste wurde Generalleutnant Rall mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Generalleutnant a.D. Günther Rall starb am 4. Oktober 2009.

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Stichwort „Strategiewechsel““

Das strategische Konzept der Flexiblen Antwort von 1967 hatte vier entscheidende Konsequenzen: Die Beibehaltung einer starken atomaren Komponente; die Ablehnung des Konzepts durch Frankreich; das Prinzip der Vorneverteidigung und die Stärkung der konventionellen Kräfte. Die Luftwaffe behielt die atomwaffenfähigen Geschwader (vier mit F-104G STARFIGHTER und zwei mit PERSHING I) sowie vorerst auch die NIKE Hercules mit atomaren Gefechtsköpfen im Dienst. Der mit dem französischen „Nein“ verbundene Rückzug der französischen Truppen aus den NATO-Streitkräften wurde in der Luftwaffe insbesondere durch eine neue Stationierungsplanung für die Flugabwehrraketenverbände kompensiert. Den Anforderungen der Vorneverteidigung konnten die NATO-Luftstreitkräfte durch Anpassung der Operationsplanungen genügen. Die Stärkung der konventionellen Kräfte mit dem Ziel, einen mit Massen gepanzerter Truppen angreifenden Gegner abzuwehren, war jedoch ohne neue Ausrüstung nicht zu erreichen.

Daher beschaffte die Luftwaffe die, verglichen mit dem STARFIGHTER, technologisch nicht jüngeren, aber in konventionellen Operationen überlegenen Kampfflugzeuge F-4 PHANTOM. Als RF-4E ersetzten sie zwei STARFIGHTER-Aufklärungsgeschwader und in der neuesten Version F-4F zwei Jagd- und ein Jagdbombergeschwader (F-104G) sowie ein leichtes Kampfgeschwader (FIAT G-91). Für die Ausbildung wurden einige F-4E PHANTOM in den USA stationiert. So konnte die Aufklärungsfähigkeit der Luftwaffe gestärkt, die Luftverteidigungsfähigkeit von der reinen Abfangjagd zu einem flexibleren Jägereinsatz weiterentwickelt und aufgrund der hohen Zuladung der F-4F PHANTOM die Kapazität zur Bekämpfung von Bodenzielen vergrößert werden. Mangels ausreichender Haushaltsmittel war jedoch kein voller Ersatz der STARFIGHTER und FIAT G-91 durch PHANTOM im Verhältnis 1:1 möglich – die Kosten des leistungsfähigeren Systems wurden durch eine geringere Zahl an Flugzeugen „erwirtschaftet“.

Die F-4F PHANTOM war als Übergangslösung für zehn Jahre gedacht, wurde danach einem Programm zur Leistungssteigerung besonders für den Jagdeinsatz unterzogen und bleibt, entsprechend der Luftwaffenplanung, bei einem Geschwader über 2010 hinaus im Dienst. Die Geschichte des STARFIGHTER und der PHANTOM in der Luftwaffe lässt den Zeit- und Mittelbedarf deutlich werden, der mit grundlegenden Veränderungen wie im Falle eines Strategiewechsels verbunden ist.

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Stand vom: 18.07.18


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