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General Johannes Steinhoff

Inspekteur der Luftwaffe von 1966 bis 1970

Generalleutnant Johannes Steinhoff
Generalleutnant Johannes Steinhoff (Quelle: Luftwaffe/Multimedia)Größere Abbildung anzeigen

Johannes Steinhoff wurde am 15. September 1913 geboren und trat 1934 in die Reichsmarine ein. Er wurde zum Marineflieger ausgebildet und wechselte 1936 zur Luftwaffe. Im Zweiten Weltkrieg bekleidete er als Jagdflugzeugführer Führungspositionen wie Staffelkapitän, Gruppenkommandeur und Geschwaderkommodore und wurde mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern ausgezeichnet. Am 18. April 1945 verunglückte der damalige Oberst Steinhoff beim Start mit einer Me-262.

Generalleutnant Johannes Steinhoff
Generalleutnant Johannes Steinhoff (Quelle: Luftwaffe/Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Krieg und wiederholten Lazarettaufenthalten arbeitete Johannes Steinhoff ab 1947 als Angestellter in Keramikbetrieben und ab 1950 bei einer Werbeagentur. Von 1952 bis 1954 war er als Angestellter des Amtes Blank Mitglied der deutschen Delegation bei den Verhandlungen zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft in Paris.

Seit November 1955 wieder Soldat, wurde Oberst Steinhoff im März 1956 Berufssoldat der Bundeswehr. Als Unterabteilungsleiter Planung war er maßgeblich an der Beschaffung des F-104G STARFIGHTER beteiligt. Von 1960 bis 1963 vertrat Steinhoff die Bundesrepublik als deutscher Bevollmächtigter im Militärausschuss der NATO, womit er der ständige Vertreter des Generalinspekteurs im Bündnis war. Es folgte eine Verwendung als Kommandeur der 4. Luftwaffendivision in Aurich, bevor er 1965 Chief of Staff der Allied Air Forces Central Europe wurde.

Auf dem Höhepunkt der „STARFIGHTER-Krise“ am 2. September 1966 zum Inspekteur ernannt, forcierte er tiefgreifende Reformen in Logistik und Ausbildung. Einsatz-, Ausbildungs- und Logistikkräfte wurden unter jeweils einer Höheren Kommandobehörde (dem neu aufgestellten Luftflottenkommando, dem umgegliederten Luftwaffenamt und dem ebenfalls neuen Luftwaffenunterstützungskommando) zusammengefasst.

In dieser „Fachkommandolösung“ wurden alle Kompetenzen nach Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten jeweils einer federführend zuständigen Kommandobehörde zugeordnet. Das ermöglichte die für die Beherrschung anspruchsvoller Führungs- und Waffensysteme in allen Bereichen notwendige Qualifizierung des Personals und brachte die in der Luftwaffe verfügbare Expertise in ganzer Breite zur Wirkung. Indessen stellte die klassisch gegliederte truppendienstliche Führung sicher, dass die funktionalen Weisungsstränge nicht erst auf der Verbandsebene zusammenkamen und unnötigen Nachsteuerungsbedarf verursachten. Die „Luftwaffenstruktur 1970“ erwies sich als zukunftsweisend; sie hatte bis 1994 Bestand.

Vom 1. April 1971 bis zu seiner Pensionierung im März 1974 war General Steinhoff Vorsitzender des NATO-Militärausschusses. Hier äußerte er Skepsis über die militärische Leistungsfähigkeit der NATO in Europa und machte keinen Hehl aus seiner Sicht der Probleme im Bündnis. Nach seiner Pensionierung war Steinhoff ein viel gefragter militärischer und militärpolitischer Fachmann. Er trat auch als Autor zu Themen des deutschen Luftkrieges im Zweiten Weltkrieg in Erscheinung. Für seine Verdienste wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Eine Kaserne in Berlin-Gatow und das Jagdgeschwader 73 in Laage tragen heute seinen Namen.

General a.D. Johannes Steinhoff starb am 21. Februar 1994.

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Stichwort „Neue Managementstruktur und -verfahren“

Bei der Einführung des F-104G STARFIGHTER hatte man das System noch nicht „im Griff“, was die hohen Unfallzahlen bewiesen. Immerhin löste der STARFIGHTER in der Bundeswehr nicht weniger als sieben verschiedene Kampfflugzeugtypen ab. Der große Vorteil einfacherer Logistik und einheitlicher Ausbildung des technischen wie des fliegenden Personals konnte jedoch noch nicht voll genutzt werden; unter anderem bestand Mangel an Technikern und guter Infrastruktur. Die Luftwaffe war im Aufbau; vieles hatte sich noch nicht eingespielt. In Politik, Rüstung und Streitkräften entstammten die Führungsverantwortlichen der Weltkriegsgeneration; ihnen fehlte Erfahrung für die systematische Überwindung der sich häufenden STARFIGHTER-Probleme.

General Steinhoff erkannte die Ursachen der Krise und baute auf der Arbeit seines Vorgängers auf. Unter immer stärkerem öffentlichem und politischem Druck gewann er Handlungsfreiheit für die notwendigen Maßnahmen. Im eigenen Verantwortungsbereich gehörte dazu die neue Luftwaffenstruktur als Teil einer nachhaltigen Lösung. Den Durchbruch schaffte er mit Maßnahmen, die zu einer höheren Einsatzbereitschaft, mehr Flugstunden und so zu einem höheren Ausbildungsstand in den Geschwadern führten. Seine eigene fliegerische Erfahrung einschließlich des Einsatzes neuartiger Flugzeuge kam ihm hier zugute. Er erhielt die geforderte politische, finanzielle und technische Unterstützung. Damit wurde auch der Weg frei für die weitere Ausrichtung der Luftwaffe auf die neue Strategie der Flexiblen Antwort.

Die Bewältigung dieser Krise gilt als Lehrstück für das Management moderner Waffensysteme.

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Stand vom: 18.07.18


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